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Um 6h wache ich auf - es hat gottseidank aufgehört zu regnen und das Wetter sieht zuerst gar nicht schlecht aus! Das Verpacken des nassen Zelts ist ein Horror und
ziemlich kompliziert, da man zuerst alles andere im Zelt drinnen verpacken muss. Auf jeden Fall war das Zelt dicht, das ist schon mal viel Wert. Ich bin schon
reisefertig, als alle anderen noch schlafen. Rainer wacht gerade auf, als ich abfahre, wir verabschieden uns noch kurz. Der Radweg führt direkt beim Camping
vorbei, in der Ebene geht es über Domat-Ems nach Reichenau/Graubünden, beide Orte sind
wieder eine Enttäuschung.
Ich will weiter Richtung Westen, daher steigt es jetzt gleich mal ordentlich an hinauf nach Trin Trin. Und schon beginnt
das Regendrama erneut, nach dem Ort kommen die ersten dicken Tropfen vom Himmel, Richtung Norden und Westen ist es tiefgrau. Kurzer Frust, aber ein Blick Richtung
Süden, wo der Himmel blau ist, sagt mir, was zu tun ist: auf nach Bella Italia! Ich habe nicht soviel Zeit, noch einige Regentage abzuwarten. Die Tour muss ich
also komplett auf den Kopf stellen, zuerst will ich nach der Alpenüberquerung an den Comer-See, für weitere Planung brauche ich eine Karte.
Es ist zur Zeit noch nicht warm, vor allem wenn man schwitzend in den Schatten kommt, ist es empfindlich kalt. Jetzt zuerst mal zurück nach Reichenau/Graubünden,
dann weiter im Hinterrhein-Tal auf dem Radweg nach Rhäzuns Rhäzuns, von dort weiter
über Cazis
nach Thusis Thusis. Das ist heute der
erste halbwegs ansprechende Ort, bis hierher hatte es nur leichte Steigung. Ich mache eine kurze Pause, danach geht es weiter mit der Einfahrt in die Via Mala
Schlucht, einem recht schönen Abschnitt. Viele Motorräder (vor allem aus der Schweiz und Italien) sind unterwegs, es ist ja auch eine wirklich geile Strecke
für die Bikes. Die Steigung wird stärker, in der Nähe verläuft die Autobahn. Der Via Mala folgt die Via Spluga, nach Andeer Andeer kommen viele
Serpentinen, man kommt in Rofla
vorbei.
Vor Sufers
kommt man an den See, man umfährt diesen, dann ist man in Splügen Splügen. Auch dieser Ort
ist nicht das Gelbe vom Ei, keiner, wo ich übernachten werde. Also rauf auf den Pass! Auf den ersten 2 Kilometern hat es weitläufige Serpentinen bei mehr als 10%
Steigung, echt zähe Geschichte mit dem Reiserad. Auf den folgenden 3 Kilometern wird es offener und einfacher, ich fahre aber weiterhin immer einen Kilometer und
mache dann eine kurze Pause. Jetzt kommen die engen Serpentinen, es ist wirklich steil, aber kein extrem-brutalo Anstieg. Nach 9km habe ich den Splügenpass Splügenpass auf 2.113hm
erreicht - das war echt Arbeit (beim Start in Chur war ich auf 585hm).
Auf italienischer Seite geht es jetzt steil runter nach Montespluga Montespluga, das am
gleichnamigen Stausee liegt. Es geht um den nicht kleinen See herum, dann folgt eine ewig lange Serpentinen-Orgie mit teils extrem steilen Gefällen und vielen
Tunnels - die Abfahrt habe ich mir nach mehr als 1600 Höhenmetern auch verdient. Das Überqueren des Passes hat zunächst noch keinen 'Klimawandel' mit sich
gebracht, nach wie vor ist es ordentlich kalt. Der nächste Ort ist Pianazzo,
erst nach 30 Kilometern ist in Chiavenna Chiavenna Ende des
Downhills und erst jetzt wird es richtig warm. Nach Samolaco
komme ich nach Novate
Mezzola Novate Mezzola, hier ist
Schluss, denn es gibt einen Camping-Platz. Erst mal muss ich das nasse Zeugs in der Abendsonne trocknen. Der Platz liegt direkt am Lago di Mezzola, einer
Fortsetzung des Lago di Como, kostet nur Euro 10,-- und ist somit der billigste der ganzen Tour. Nach dem Aufbau gibt es Pizza und Bier, ich fühle mich blendend,
habe mich zurück in den Sommer geradelt.
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