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Beim Nachtportier bezahle ich mein Zimmer - auch er ist bewaffnet, logisch. Noch dazu, wo ein Bankomat in der Halle steht, der sogar mit Maestro funktioniert.
Leider sehe ich den erst heute, ansonsten hätte ich mir die gestrige Geldbeschaffungsaktion ersparen können (an der Rezeption habe ich noch gefragt, ob sie Dollars
wechseln. Tun sie nicht, wären aber auch nicht auf die Idee gekommen, mich auf den Automaten hinzuweisen). Im Hotel-Restaurant gibt es noch ein ordentliches
Frühstück und mich plagt wieder Dünnschiss.
Um 9 Uhr starte ich, beim Hafen spricht mich ein radelnder russischer Soldat an und wir ´unterhalten´ uns ein bisschen. Die ersten 10 km sind flach entlang der
Küste, dann gibt es einige Kilometer reschen 10%-igen über die Ausläufer des Schwarzmeergebirges, anschliessend geht es runter nach Chakvi.
Hier mache ich wieder Bekanntschaft mit der Ajara-Police, diesmal allerdings von der etwas anderen - nämlich richtig unangenehmen - Art: Die Typen sind zuerst zu
zweit, dann zu dritt, ziehen meinen Reisepass ein und lassen mich nicht mehr weg. Einer von ihnen ruft mit seinem superkleinen Motorola-Handy noch den Kommisario
an und es kommen noch zwei. Jetzt werde ich so richtig von oben bis unten durchgefilzt, dauernd murmeln sie etwas von ´Narcotica´, einer von ihnen schnüffelt sich
wie ein Drogenhund durch jedes Dokument und jeden Geldschein, der andere durch die Behälter für meine Filme usw.. Ich habe über die ganze Situation überhaupt keine
Kontrolle mehr. Irgendwann lassen sie mich dann doch weg. Später komme ich dann drauf, wieso - die Typen haben mir 60 Dollar geklaut. Ich spreche später noch mit
Franzosen und Israelis und alle bestätigen mir, das jeder mit dieser Schweine-Bande von Ajara-Polide seine Probleme hat. Fürs nächste Mal muss ich mir eine
ordentliche Abwehrstrategie gegen die korrupte Exekutive überlegen, die überall in der GUS ihr Unwesen treibt.
Jetzt habe ich noch ein ordentlichen Berg zu überwinden, hier treffe ich auch 3 georgische Rennradler beim Training. Anschliessend Abfahrt nach Kobuleti. Beim Exit-Check-Point Ajara gibt
es keinen Trouble mehr. Dann wird es wieder flach und die Strasse verläuft etwas von der Küste entfernt. Die Strasse ist zwar schlecht, aber breit genug. Auch
heute tummelt sich wieder viel Getier auf der Strasse, die Gebäude sind wieder alle in äusserst schlechtem Zustand.
Nach 70 Kilometern bin ich in Poti, oder besser gesagt im Maltakva-Resort, das ein paar Kilometer von
der Stadt entfernt ist. Hier hat 1991 die Wassersport-EM stattgefunden, und zwar auf dem Golden Lake, der 200 Meter vor der Küste liegt. Das Resort ist nicht
einfach zu finden: Nichts, aber auch wirklich gar nicht, deutet auf der Hauptstrasse darauf hin, das am Strand ein Hotel sein könnte - bei der Einfahrt steht eine
riesengrosse Ruine, die mich eher an Tschetschenien erinnert.
Das Hotel Golden Lake finde ich dann, es hat aber jeglichen Glanz, falls jemals vorhanden, verloren. An die Wassersportbewerbe auf dem See erinnert noch eine total
verrostete Anzeigetafel, unter der die Kühe grasen. Fürs Zimmer zahleich $ 30,--, ungefähr 20 zuviel. Die Zimmer sind gross und nach bewährter SU-Bauart
eingerichtet. Auch am St. Strand steht wieder eine grosse Ruine und es ist saudreckig. Beim Essen lerne ich dann Zaza - einen Police-Major -, und seine weibliche
Begleitung, bestehend aus Cisia und Pikrie, kennen (Cisia und Pikrie sind Ärztinnen). Sie sprechen ein ganz klein wenig Deutsch, trotzdem unterhalten wir uns
super. Mit jedem Saft gebrannten Traubensaft wird die Unterhaltung fliessender - beim Rückweg zum Hotel bin ich ziemlich demoliert und komme dauernd von der
Ideallinie ab.
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