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Der heutige Fahrtag ist kurz, aber durchaus ereignisreich - etwas vor 8h starte ich ihn und für mich steht heute der letzte asiatische Grenzübertritt an. Nebenbei
bemerkt ist es nach 6.000 Kilometern Indonesien im Rahmen meines Projektes der letzte Tag in dem Land und damit durchaus ein denkwürdiger Abschied. Die Strecke zur
Grenze hätte ich mir flacher vorgestellt: Es gibt hier einige Steigungen, bis es bei KM15 dann endlich bergab geht. Dieser Abschnitt hier ist vom Verkehr her der
ruhigste, den ich in Indonesien jemals gefahren bin - darüber hinaus ist er auch einer der aufgeräumtesten (was wiederum den Schluss zulässt, dass nicht die Locals
ihre Plätze versauen, sondern Durchreisende)!
Bevor ich den Grenzort Motaain Motaain erreiche, noch ein
schneller Einkauf beim Supermarkt. Dann geht's los: zuerst indonesische Ausreise - dann Einreise in Ost-Timor. Die indonesische Ausreise verzögert sich nur kurz,
dann habe ich den Ausreisestempel im Pass (Einreisestempel habe ich ja nie einen bekommen, sondern nur eine digitale Bestätigung - was mir etwas Kopfweh bereitet
hat, aber das ist neuerdings bei der Digital-VOA-Einreise so). Die Einreise ist etwas zäher, aber deshalb, weil man auf dem Computer vor Ort ein Formular ausfüllen
muss - das funktioniert dann aber 2 Mal nicht und schliesslich lasse ich mir helfen und bin schnell durch.
Willkommen in Ost-Timor! Ich bin mir noch nicht sicher, was ich von dieser Landesgrenze halten sollen - sie ist, wie nicht anders zu erwarten, in kolonialien
Zeiten entstanden und hat die Insel in einen westlichen unter niederländischer und einen östlichen unter portugiesischer Hoheit geteilt. Die Holländer zogen 1945
ab und die Indonesische Republik wurde gegründet, 1975 gab Portugal seine Kolonien auf. Indonesien sah das als Startschuss dafür, den östlichen Teil zu
übernehmen - das war allerdings nicht der Wunsch der Bevölkerung, da man sich nicht als Teil der moslemisch dominierten Republik sehen wollte. Was folgte, war ein
jahrzehntelanger brutaler Konflikt mit grausamen Massakern, in dem auch australische Reporter, die viele der Grausamkeiten ans Licht brachten, eine grosse Rolle
spielten. Einige der Reporter, deren Bilder ich später in meiner Unterkunft sehe, wurden bei ihrer Arbeit getötet. Soweit der historische Exkurs.
Der Alltag auf der Strasse sieht dann so aus, dass ich gleich entdecke, dass es in den Kühlschränken der Shops tatsächlich echte Fruchtsäfte in Dosen gibt - etwas,
was es in Indonesien nicht gibt und was ich nie verstanden habe (dort gibt es nur Zuckerwasser und auch das wird einen Grund haben). Bezahlt wird mit Dollar,
beziehungsweise gibt für es Kleinigkeiten 25, 50 und 100 Centavos (also 100 Cent) - geprägt in Ost-Timor.
Nach wenigen Kilometern bin ich schon in Batugade Batugade und für mich
geht es damit schon wieder landeinwärts - ich muss noch einen Berg hinauf. Schon im Ort beginnt eine äusserst üble Piste, die mir dann auch fast für den
gesamten Rest erhalten bleibt: alle paar hundert Meter hat sich die Strasse komplett aufgelöst oder es gibt noch einen Reststreifen, wo man fahren kann - wo sich
die Strasse aufgelöst hat, fährt man auf einer Sand-Knüppelpiste allerübelster Sorte und es staunt enorm! Das Fahren wird dadurch natürlich äusserst mühsam und
zieht sich auch in die Länge. Die Behausungen der Leute hier am Berg sind noch einfacher als die in Indonesien, vielfach sind es einfach nur mit Palmblättern
bedeckte Hütten. Leider leiden hier alle unter dem Staub, der auf Strasse entsteht.
2 Kilometer vor Balibo Balibo ändert die Strasse
wieder vollkommen ihre Gestalt, aus der Katastrophen-Strasse wird eine artige Landstrasse, die ich bis zu den letzten der 600 Höhenmeter entlangfahren kann. Balibo
gibt dann wieder ein ganz anderes Bild ab als die Siedlungen am Berg. Strategisch günstig gelegen war es einst ein portugiesisches Fort und war auch massgeblich in
die Unabhängigkeitsbewegung involviert. Die einzige Unterkunft nach westlichen Massstäben ist das Fort Balibo und genau hier habe ich mich einquartiert. Die
Lage ist, wie üblich bei solchen Locations, grossartig - man Blick aufs Meer und die Gebirgszüge der Umgebung.
Das Zimmer ist ebenfalls sehr gut, hat aber auch ordentlich gekostet. Überhaupt ist hier im Hotel alles mindestens so teuer wie zuhause, aber man meint, die
Touristen haben ja das Geld (stimmt ja auch). Eine Pizza für $18,-- und ein kleines Bier für $4,50 sind dann aber doch etwas viel für ein Gebiet in Südostasien, wo
der Durchschnittsverdienst bei $100,-- liegt! Aber das ist der Preis der Freiheit - man ist hier den alles umhüllenden moslemischen Dunst Indonesiens los und ich
fühle mich hier wirklich wohl. Was auch sofort auffällt: Für die Leute hier ist die im Jahr 2002 erreichte Unabhängigkeit extrem wichtig - man ist sehr stolz
darauf und im Hotel hängen Fotos der Helden, die sie damals bereitet haben!
Morgen ist der letzte richtige Fahrtag für mich, es geht von hier über die Küste nach Liquica, dem letzten Etappenort vor Dili. Von hier sind es nur mehr etwa 30
Kilometer bis in die Hauptstadt ...
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